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Skandal um Fußball-WM 2006: Brisantes Dokument belastet laut SZ den DFB

Dieses Sprichwort scheint wie angegossen zu passen auf den Skandal, der den deutschen Fußball erfasst hat und zum Rücktritt von Verbandspräsident Wolfgang Niersbach geführt hat.

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Der Nationalmannschaftsmanager hat es nicht auf den Posten des zurückgetretenen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach abgesehen. Niersbach habe erst alles abgestritten, sich dann nach und nach auf Erinnerungslücken berufen, und dann eine desaströse Pressekonferenz gegeben, aus der man mit mehr Fragen als Antworten heraus gegangen sei. “Niersbach, der immer als der Profi galt und gelten wollte, war in der Krise ein Amateur”. Zudem hat er sich im Manipulationsskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer als Vorsitzender des DFB-Sportgerichts einen Namen gemacht. Der 64-Jährige stand in dem Skandal um dubiose Geldflüsse vor der WM 2006 unter Druck.

Aber mit dem Rücktritt von Niersbach ist die Affäre um die WM-Vergabe 2006 noch lange nicht beendet. Niersbach soll damit jedoch nichts zu tun gehabt haben, unklar sei auch, ob der Vertrag überhaupt umgesetzt worden sei.

Die kecken Aufklärungsankündigungen des scheidenden Präsidenten erwiesen sich auch an seinem letzten Arbeitstag als reine Luftnummer.

Als Nachfolger für Niersbach stehe er nicht zur Verfügung. Trotzdem ist sie nicht sicher, ob sich Niersbach persönlich tatsächlich nichts vorzuwerfen habe. “Umso bestrebter wird er sein, auch nach seiner Demission die Aufklärung voranzutreiben”. Oder glaubt jemand wirklich, Niersbach hätte die Fäden gesponnen, um das Sommermärchen nach Deutschland zu holen? Nach Darstellung von Franz Beckenbauer, der das WM-OK führte, wurde das Geld als eine Vorleistung an den Weltverband Fifa gezahlt, um in den Genuss eines WM-Zuschusses von 170 Millionen Euro zu gelangen. Sie waren gar nicht zu einer Diskussion zugelassen worden, sondern nur kurz und bündig darüber informiert worden, dass Niersbach sein Amt nach dreieinhalb Jahren aufgibt. Dürre Erklärungen gab er ab, ansonsten schwieg er. Möge der Weg nun frei sein für die komplette Aufklärung.

Nach der Sitzung des DFB-Präsidiums gestern in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main verkündete Niersbach seinen Rücktritt. Also könnte Niersbach bis 2017 bei der UEFA und bis 2019 bei der FIFA bleiben.

Gegen den DFB-Chef, seinen Vorgänger Zwanziger und den früheren DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

Bundestrainer Joachim Löw hatte in München “sehr betroffen” auf den Rückzug des Verbandschefs reagiert. Unabhängig von allen juristischen Fakten, die es gibt, denke ich, dass der Wolfgang ein fantastischer Mensch war, auch ein fantastischer Präsident für uns.

“Wir wollen uns natürlich in Frankreich gut verkaufen und versuchen, ein gutes Ergebnis zu machen”, sagte Löw zur reizvollen Aufgabe beim Gastgeber der Europameisterschaft im Sommer 2016. Denn ich weiss, wie er tickt.

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Die Verdienstlücke hatte der Verband in Teilen durch das vorzeitige Ausbezahlen einer Betriebsrente geregelt – was Niersbachs Intimfeind Theo Zwanziger permanent zu Angriffen nutzte.

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